Mikroverunreinigungen: Beurteilungskonzept für organische Spurenstoffe aus kommunalem Abwasser

EAWAG, 2011

Zusammenfassung

Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser beeinträchtigen die Wasserqualität von Fliessgewässern mit einem hohen Abwasseranteil. Im Weiteren sind sie für Gewässer kritisch, die für die Trinkwassernutzung von Bedeutung sind und massgeblich durch kommunale Abwassereinleitungen beeinflusst werden.

Für Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser können vier Haupteintragspfade in die Ge- wässer unterschieden werden: (1) Eintrag mit gereinigtem Abwasser über ARA; (2) Eintrag mit ungereinigtem Abwasser über Mischwasserentlastungen bei Kapazitätsüberschreitungen der ARA und der Kanalisation; (3) Eintrag durch Leckagen in der Kanalisation oder Fehlanschlüsse; und (4) Eintrag mit verschmutztem Niederschlagswasser von Dächern oder versiegelten Flächen durch Regenkanäle. Da viele Mikroverunreinigungen in konventionellen ARA nicht gut abgebaut werden und mengenmässig der grösste Anteil an Abwasser durch ARA in die Gewässer eingetragen wird, stellt der Eintrag mit gereinigtem kommunalem Abwasser für die meisten Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser den wichtigsten Eintragspfad dar.

Mit einem Priorisierungsverfahren wurden aus 250 Kandidatenstoffen 47 schweizspezifische Mikroverunreinigungen identifiziert. Die schweizspezifischen Mikroverunreinigungen sind repräsentativ für die Belastung von Mikroverunreinigungen aus kommunalem Abwasser. Neben den schweizspezifischen Mikroverunreinigungen müssen im Einzelfall auch spezifische Stoffe, beispielsweise Stoffe welche in einem lokalen Industrie- oder Gewerbebetrieb verwendet werden, betrachtet werden.

Für die Erhebung von Mikroverunreinigungen wird ein zweistufiges Verfahren vorgeschlagen: (1.) Identifizieren der potentiell belasteten Gewässer und (2.) vertiefte Untersuchung der potentiell belas- teten Gewässer. In der ersten Stufe kommen vor allem Abschätzungen zum Zuge, wie beispielsweise die Ermittlung der Belastung durch Mikroverunreinigungen mit Hilfe des Abwasseranteils der Gewässer. Für die vertiefte Untersuchung werden Probenahmekonzepte, sowie Methoden für die Analyse einer Auswahl der schweizspezifischen Mikroverunreinigungen vorgeschlagen. Die Probenahmekonzepte fokussieren in erster Linie auf das Erfassen der Basisbelastung von Gewässern durch Mikroverunreinigungen, welche kontinuierlich in die Gewässer über gereinigtes kommunales Abwasser eingetragen werden.

Für eine Beurteilung der Wasserqualität werden die erhobenen Daten mit wirkungsbasierten Qualitätskriterien vergleichen. Dazu wurden nach dem Technical Guidance Document für Umweltqualitäts- standards der EU ökotoxikologisch basierte Qualitätskriterien hergeleitet. Für die Beurteilung der Basisbelastung werden die Umweltkonzentrationen (EC) mit den chronischen Qualitätskriterien (CQK) verglichen. Angelehnt an das Modulstufenkonzept des BAFU wird die Wasserqualität nach fünf Zustandsklassen unterteilt: sehr gut / gut / mässig / unbefriedigend / schlecht.

Aufgrund des hier vorgestellten Beurteilungskonzepts können weitere Untersuchungen oder gegebenenfalls Massnahmen zur Reduktion von Mikroverunreinigungen geplant werden.

Zitierung

C.W. Götz, R. Kase und J. Hollender (2011). „Mikroverunreinigungen – Beurteilungskonzept für organische Spurenstoffe aus kommunalem Abwasser ― Studie im Auftrag des BAFU. Eawag, Dübendorf.

  • Année de publication:  2011

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